Lese-Rechtschreibstörung (LRS)
Bei der LRS handelt es
sich um eine umschriebene
Störung in der Entwicklung des Lesen- und/oder Schreibenlernens
(ICD-10: F81.0; F81.1). Der Begriff wird in Deutschland in weiten
Kreisen uneinheitlich verwendet. Legasthenie oder Entwicklungsdyslexie
bzw. Entwicklungsdysgraphie werden teilweise synonym genannt, teils als
Abgrenzung im Hinblick auf den Schweregrad benutzt.
Die Informationen zu diesem Störungsbild
beruhen
teilweise auf neben stehender dgs-Broschüre Nr. 10. Autorin: Dr. Karla
Röhner-Münch. Bei weiterführendem Interesse steht Ihnen diese als
Download zur Verfügung.
Ursachen sind:
- Entwicklungsstörungen der Sprache oder des Sprechens gehen
voraus;
insbesondere Aussprache, auditive Wahrnehmung: Merkspanne und/oder
Sprachverarbeitung, schneller Wortabruf.
- Störungen der visuellen Wahrnehmung können beteiligt sein.
- Genetische Faktoren
sie werden aufgrund von familiär gehäuftem Auftreten intensiv erforscht
(http://www.info-legasthenie.de/papers/genetik_der_lrs.php);
erste Ergebnisse machen einen Vererbungsfaktor wahrscheinlich.
Spricht man von einer umschriebenen LRS sind
mangelnde
Lerngelegenheiten, eine Intelligenzminderung oder körperliche
Beeinträchtigung durch umfangreiche medizinische, psychologische und
sprachheilpädagogische Untersuchungen ausgeschlossen.
Eine Lese-Rechtschreibstörung
äußert sich je nach Entwicklungsstand und individueller
Ausgangssituation wie folgt:
- Mangelnde Kenntnis von Buchstaben und deren Verknüpfung zu
Lauten (und umgekehrt)
- Vielzahl von Schreibfehlern: Vertauschen, Auslassen
und/oder Ersetzen von Buchstaben, Worten und/oder Wortteilen;
Regelfehler;
- Langsame Lesegeschwindigkeit
- Mangelnde Lesegenauigkeit
- Eingeschränktes Lesesinnverständnis
Während der Schulzeit können Störungen im
emotionalen und Verhaltensbereich begleitend zur LRS auftreten.
Ziele der Therapie sind:
- Verbesserung der schriftsprachlichen Kompetenzen, vorrangig
des Lesens
- Lust aufs Lesen und Schreiben (wieder)gewinnen
- Bewältigung der LRS auch auf emotionaler Ebene sowie im
familiären Bereich
Unser therapeutisches Vorgehen basiert auf folgenden
Konzepten:
Der Therapieplan wird auf der Basis einer
individuellen
Diagnostik erstellt. Einzelfallorientiert werden u.a. folgende Konzepte
teilweise oder vollständig eingesetzt:
- Aufbau und Förderung der alphabetischen Strategie:
z.B. Kieler Lese- und Rechtschreibaufbau (Dummer-Smoch &
Hackethal 2002), Lernspaß von A-Z (Rabanus, ohne Jahresangabe);
- Aufbau und Förderung der orthographischen Strategie:
z.B. Marburger Rechtschreibtraining (Schulte-Körne & Mathwig
2001);
- Aufbau und Förderung der morphematischen Strategie:
z.B. Morphemtraining mit der "Wortbaustelle" (Kleinmann 2000);
- Metalinguistisches Schriftsprachtraining:
z.B. Littera (Wildegger-Lack 2003), paLABra (Reber 2003)
- Auditives Wahrnehmungstraining und Förderung der
phonologischen Bewusstheit
- Visuelle Wahrnehmungsförderung
- Optimierung der Lernstrategien: z.B. Lernboxarbeit (s.
AOL-Verlag)
- Beratung
Im Sinne eines einzelfallorientierten
Therapieplanes
werden darüber hinaus vielfältige Methoden und Materialien eingesetzt
zur Förderung der Lesegenauigkeit und -geschwindigkeit, Erweiterung der
Rechtschreibfähigkeiten und Ausbau der Lese- und Schreibmotivation. Sie
im Einzelnen zu benennen, würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen.