Poltern
Beim Poltern handelt es sich ebenso wie beim Stottern
um eine Störung des Redeflusses. Es treten jedoch keine Dehnungen oder
Blockaden auf. Über die reinen Redefähigkeiten hinaus können beim
Poltern, im Gegensatz zum Stottern, auch sprachliche Prozesse betroffen
sein.
Als Ursache gelten genetische Faktoren.
Die Auffälligkeiten lassen sich in Kernsymptome
und möglicherweise hinzu kommenden Symptomen einteilen. Die
Diplom-Logopädin Ulrike Sick beschreibt sie in ihrem Informationsmaterial wie folgt:
Kernsymptomatik:
- "Auslassungen und Verschmelzungen von Lautfolgen und Wörtern,
Lautersetzungen und Lautveränderungen, die häufig zur
Unverständlichkeit von Äußerungen führen. (z.B. Ich win Auwan fan = ich
bin auf der Autobahn gefahren)
- Hohes und /oder irregulär schwankendes Sprechtempo
- Häufig treten zusätzlich Unflüssigkeiten in Form von Silben,-
Wort,- Laut- oder Satzteilwiederholungen auf (z.B. ich ich ich wi will
das gerne wiederholen)
Zusätzlich hierzu treten häufig folgende Symptome auf:
- Sprachstörungen: Noch im Erwachsenenalter können ohne logopädische
Behandlung im Kindesalter fehlerhafte Grammatik, ein eingeschränkter
Wortschatz und Störungen der Wortfindung vorliegen.
- Störungen der sprachlichen Strukturierung: Dies bedeutet, dass es
den polternden Menschen nicht gelingt, ihre Redeinhalte für den
Gesprächspartner verständlich zu gliedern. Sie beziehen ihre Äußerungen
nicht oder nur mangelhaft aufeinander, neigen zum Bau von
"Bandwurmsätzen" und zum Abschweifen vom Thema. ("Vom Hölzchen auf´s
Stöckchen kommen").
- Auffälliges Kommunikationsverhalten: Polternden Menschen kann es
schwer fallen, GesprächspartnerInnen über längere Zeit zuzuhören. Es
gelingt ihnen häufig nicht, ihre eigenen fehlerhaften Äußerungen
umzuformulieren, wenn ihr Gegenüber sie nicht versteht.
- Auditive Wahrnehmung und Verarbeitung, Aufmerksamkeit: Es können
Störungen der auditiven Aufmerksamkeit bzw. der auditiven
Sprechkontrolle vorliegen. Dies bedeutet, dass es polternden Menschen
schwer fällt, ihr Sprechen über das "sich selbst Hören" dauerhaft zu
kontrollieren.
- Poltern kann mit Störungen des Lesens und Schreibens auftreten.
- Polternde Menschen sind sich ihrer Symptomatik häufig nur in
Ansätzen bewusst (mangelndes Störungsbewusstsein). Es ist aber auch
möglich, dass sie ein sehr ausgeprägtes Störungsbewusstsein haben und
Sprechängste vorliegen."
Ziele der Therapie sind:
- Situativ kontrolliertes, fließendes und strukturiertes Sprechen
- Abbau (schrift-)sprachlicher Defizite
- Ausbau und Stärkung der Kommunikationsfähigkeit
- Erlangen von kommunikativer Sicherheit
- Sichere auditive Wahrnehmungsfähigkeit bei der Verarbeitung von Sprache
- Nutzen von Kompensationsstrategien
- Verbesserung der Eigenwahrnehmung
Unser therapeutisches Vorgehen basiert auf einem mehrdimensionalen Behandlungsansatz. Hierbei werden bezogen auf den individuellen Einzelfall die erforderlichen Methoden ausgewählt und eingesetzt:
- Auditives Wahrnehmungstraining
- Wahrnehmungsübungen im Hinblick auf das Sprechverhalten
- Mundmotorische Übungen
- Entspannungstraining
- Sprechtechniken (s.a. Stottern)
- Kommunikationsförderung (s.a. Stottern)
- Sprachtherapie (s.auch Sprachentwicklungsverzögerung)
- Bausteine aus der Lese-Rechtschreib-Therapie
- Beratung